Schlomo schlenderte etwas gedankenverloren durch seine Privatbibliothek. Er hielt inne um einen Buchrücken ein wenig abzustauben. Es handelte sich um die Erstauflage des Sachbuchs ‚Anleitung zum Unglücklichsein‘. Tatsächlich war dieses Buch einer der zahlreichen Mosaiksteine, die ihn dazu veranlassten Psychologie zu studieren. Nach seinem erfolgreichen Abschluss (summa cum schlauby), entschloss er sich, noch einen Master in Parapsychologie und Gläserrücken draufzusetzen. In dieser Zeit lernte er den Schwarzmagier Alistair Crowley kennen. Komischer Typ, irgendwie gruselig und undurchsichtig. Er faselte oft wirres Zeug und war fasziniert von den Legenden rund um den Prager Golem. Der Golem war ein aus Lehm gebildetes, stummes, menschenähnliches Wesen. Er versuchte einige Male für sich selbst einen Golem zu manifestieren. Ansatzweise klappte dies halbwegs gut, doch war damit immer auch eine Sauerei verbunden. Wenn der Golem stabil ‚da war‘ bestand seine erste Aufgabe darin, die Sauerei aufzuräumen, die durch seine Manifestationen verursacht wurde. Der Golem wischte kurz feucht durch und zerfiel dann wieder zu Matsche. Im Ableben hauchte das Wesen noch kurz: „Jeder kann sich sein Unglück, aber auch sein Glück selbst schaffen.“ Ziemlich klug, aber geklaut.
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