Das Redaktionsteam hofft mit seiner Arbeit, das Gefühl der permanenten Mulikrisen ein wenig zu durchbrechen. Wenigstens einige Augenblicke. Zum Glück sind es nur Mulikrisen und keine Multikrisen. Muli bezeichnet primär eine Kreuzung aus einem Pferdehengst und einer Eselstute. Diese Tiere gelten als ausdauernde, gutmütige und robuste Lasttiere mit hoher Lebenserwartung. Sie gelten als störrisch, weswegen man leicht in eine Krise geraten kann. Das ist der Zusammenhang. Themenwechsel. Ein aufmerksamer Leser hat den gestrigen Blogbeitrag zu einfacher Sprache sehr kompetent kommentiert:
Das aus mehreren Individuen bestehende Kollektiv der redaktionell Tätigen hat sich zu einem zeitlich nur geringfügig zurückliegenden Zeitpunkt der Rezeption eines medialen Erzeugnisses gewidmet, welches unter dem Titel Tagesschau in einfacher Sprache firmiert und den erklärten Anspruch erhebt, komplexe weltliche Sachverhalte in sprachlich reduzierter, gleichsam barrierearmer Form darzubieten. Im unmittelbaren Anschluss an diese Betrachtung – gleichsam ohne längere Inkubationsphase des Gedankens – stellte sich eine Idee von geradezu epiphanischer Qualität ein: Man könnte das Instrumentarium der sogenannten einfachen Sprache auch dazu verwenden, einem orangefarbenen Autokraten jenseits des Atlantiks gewisse grundlegende weltpolitische Interdependenzen näherzubringen, deren Nichtverstehen derzeit beträchtlich zur globalen Nervosität beiträgt.
Eine solche didaktische Intervention hätte, so die optimistische Hypothese, das Potenzial, den gegenwärtig äußerst fragilen Aggregatzustand des Planeten zumindest marginal zu stabilisieren. Immerhin – und das muss man ihm zugutehalten – verfolgt der genannte Protagonist augenscheinlich nicht das Ziel, seine ideologischen Konstruktionen mittels unmittelbarer militärischer Gewaltanwendung durchzusetzen, was in der gegenwärtigen Weltlage bereits als ein bemerkenswert niedrig angesetzter Hoffnungsschimmer gelten darf.
Aus dieser Überlegung ließe sich nahezu zwangsläufig die Kontur eines gänzlich neuen Berufsbildes extrapolieren: Politikberaterinnen und -berater, spezialisiert auf einfache Sprache. Oder pädagogische Fachkräfte, die komplexe Inhalte systematisch sprachlich entkernen. Oder Kriminalromane, Lyrik, digitale Tagebücher und sonstige Formen kultureller Selbstveräußerung, allesamt in einfacher Sprache. Sogar ein ehemaliges Nachrichtenmagazin in einfacher Sprache ließe sich denken – wobei an dieser Stelle die ernüchternde Erkenntnis einsetzt, dass genau dieses Phänomen de facto bereits existiert.
Abseits dieser gedanklichen Exkurse stellt sich die Lage prosaischer dar: Es ist Winter. Und unweigerlich drängt sich jene düstere, melancholische Erinnerung auf, die Edgar Allan Poe im Jahre 1845 in Worte fasste, als er vom bleichen Dezember, von verlöschenden Glutresten und vom vergeblichen Versuch sprach, im Medium des Buches eine temporäre Suspension der Trauer zu erlangen – Trauer um Lenore, jene verlorene, namenlos gewordene Gestalt, die fortan nur noch als Abwesenheit präsent ist. Diese Stimmung legt sich wie ein kalter Schatten über den Boden, geisterhaft, unausweichlich, endgültig.
Das Redaktionsteam fragt sich, ob da wohl KI mit am Werk war. Das merkt man halt gar nicht mehr, wo überall KI mitmischt. Der Kontrollverlust nimmt mit dem Älterwerden zu, normal. Aber in der Gegenwart auch mit dem stetig steigenden Einfluss der Künstlichen Intelligenz. Is‘ ja gar keine Intelligenz 😕. Ganz schön lang.
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